Mittwoch, 19. Juni 2013

Schreiben für die Wissenschaft




Guten Tag, Frau Weber,

Leider sind für Sie im letzten Quartal keine Honorare angefallen. Möglicherweise wurde aber im aktuellen Quartal mit Ihren Arbeiten bereits Umsatz erzielt. Dies wird in der nächsten Abrechnung berücksichtigt.
Dieser Satz begleitet mich nun schon über Jahre. Er betrifft meine wissenschaftliche Arbeit „Männliche jugendliche Einzelgänger, eine biografischen Studie“. Diese Arbeit hat mich immerhin fünf Jahre meines Lebens gekostet. Es wäre doch nett, hin und wieder damit einen müden Euro zu verdienen. Aber das Schreiben für die Wissenschaft ist ein mühsames Geschäft, Geld ist damit nur dann zu verdienen, wenn man eine provozierende Arbeit verfasst. Naja, ich will nicht jammern, hat ja immerhin einen Titel eingebracht. Aber noch einmal würde ich mich zu so einer Arbeit nicht aufraffen. 

Montag, 17. Juni 2013

Spannende Schreib- und Erzählimpulse




Für die 1. und 2. Klassen in Blau und für die 3. und 4. Klassen in Grün gibt es jetzt von mir beim Auer-Verlag die Lernkartei „Spannende Schreib- und Erzählimpulse“.  Diese Neuerscheinung bietet den Grundschulen viele Möglichkeiten, Schüler zum Erzählen oder zum Schreiben zu motivieren. Dabei können Bilder, Reizwörter, Satzanfänge, gestaltete Höhepunkte oder Erzählschlüsse als Impulse eingesetzt werden. 132 Erzähl- und Schreibanlässe sind in unterschiedliche Themenfelder wie Freundschaft, Familie, Schule, Tiere, Abenteuer oder Ritter (…) eingeteilt. Sie decken reale und fantastische Bereiche ab, sodass eine breite Differenzierung gegeben ist. Außerdem bieten Tippkarten zum Gestalten einer Geschichte eine zusätzliche Hilfe.
Zu bestellen gibt es diese Karteien hier für die 1. und 2. Klassen und hier für die 3. und 4. Klassen. Dort kann man dann auch in den Musterseiten blättern.


Sonntag, 16. Juni 2013

Geburtstagsfeier



  
An diesem Samstag war meine Geburtstagsfeier angesagt. Es war ja nur so ein stinknormaler 57. Geburtstag, darum wollte ich jetzt nicht wer weiß was für Extras auffahren. Also habe ich mir ein paar interessant klingende Rezepte bei Chefkoch.de rausgesucht, alle unter dem Aspekt „simpel – 10 Minuten“. 
Öhm … tja … ich frage mich echt, wie die die Zeit berechnen. Wahrscheinlich muss man alles schon fertig geschnippelt und gegart vor sich stehen haben. Das Zusammenmischen dauert dann vielleicht zehn Minuten. Aber auch nur dann, wenn man für vier Personen kocht. Ich hatte bei den Bergen an Brokkoli, Hackfleischbällchen, Gnocchi und Soße ein ganz anderes logistisches Problem zu bewältigen.
„Lass mich mal“, sagte Siggi höflich, als er mich schwitzend und gestresst in der Küche sah. „Schneide du mal den Salat.“
Glück gehabt!
So wurde das Essen dann doch noch ziemlich lecker…
Die Feier war richtig schön, und ich habe ganz viele tolle Hörbücher bekommen. 

Freitag, 14. Juni 2013

Gerade an der Käsetheke




Ein junger Mann bedient, kindliches Gesicht, freundliches Lächeln, Azubi wahrscheinlich. Vor mir eine ältere Frau.
„Und dann nehm ich noch von dem Gauda.“
„Ja, wie viel möchten Sie denn?“
„Nicht so viel. Ich geh doch Montag in die Reha.“
„Aha.“
„Weil die doch Mist gemacht haben, wissen Se.“
„Ah.“
„Die haben doch den Nagel drin gelassen. Und dann hat sich alles entzündet. Und dann musste ich…“
Die Schlange wird länger. Alle sehen genervt aus. Scharren mit den Füßen. Hat die keinen anderen, dem sie das erzählen kann? Ausgerechnet hier an der Käsetheke.
Nee, hat sie nicht. Und merken tut sie auch nichts. Jetzt stehen wir schon zu viert hinter ihr.
„… wieder ins Krankenhaus. Die ganze Sache noch mal, verstehen Sie?“
„Oh.“
Der junge Mann schaut ein wenig verlegen zu uns hinüber. Er hat ein schlechtes Gewissen, weil er uns warten lässt. Aber er mag sie auch nicht unterbrechen.
Jetzt läuft sie zu voller Form auf. Stellt die Tasche ab. Holt tief Luft.
Auch ich hole tief Luft. Da ist sie wieder mal, die tägliche Herausforderung. Einkaufen ist eine echte Geduldsübung.
Eine andere Verkäuferin ist wachsam. Sie sprintet in die Käseabteilung und übernimmt mich.
Die Alte beugt sich weiter vor. Ihre Stimme ist jetzt leiser.
„Jetzt muss ich in die Reha und alles erst mal ausheilen. Aber ich hab schon ein bisschen Angst, verstehen Sie.“ Sie sieht nun wirklich ängstlich aus.
„Verstehe ich“, sagt der junge Mann.  
Jetzt bin ich doch froh, nicht gedrängelt zu haben. Wie lieb, dass der junge Mann so freundlich zugehört hat. Von seiner Geduld kann ich mir wirklich eine Scheibe abschneiden. Und wenn ich mal in die Reha muss, gehe ich garantiert bei ihm meinen Käse kaufen. 

(Foto: Provence)